Marie:

Version 2

Wie Millionen anderer Jugendliche weltweit habe ich dieses Jahr eine ungewöhnliche Schulsituation miterlebt. Nach dem schweizweiten Lockdown im März hatte ich bis im Juni von zu Hause aus online Schule. Ich fand dies jedoch gar nicht allzu unangenehm, da ich meine Zeit gut selber einteilen konnte und Hannah, Mom und ich trotz allem eine gute Stimmung beihielten. Im Sommer begann dann aber für mich eine sehr intensive Zeit – ich habe mit meinem Maturaprojekt (unser Abschlussprojekt im 13. Schuljahr) angefangen. Ich hatte zwar während des Lockdowns schon mit Recherche und Vorbereitungen angefangen, doch die Umsetzungsphase dauerte dann von Juli bis Oktober.

Als Projekt habe ich ein Bilderbuch zur Erklärung von Multipler Sklerose geschrieben und illustriert. Die Idee bekam ich, da meine Gastmutter Jill von meinem Austauschjahr in Kanada MS hat und seit fast 20 Jahren im Rollstuhl ist. Ihre Geschichte hatte mich sehr inspiriert, und ich habe auch in meinem Bilderbuch die Hauptperson nach ihr gestaltet.

Mom und ich sind in meinen Sommerferien für zwei Wochen nach Südfrankreich gegangen, aber ich habe auch während diesen Ferien hauptsächlich an den Zeichnungen gearbeitet. Insgesamt brauchte ich eineinhalb Monate bis das Buch druckfertig war. Anschliessend setzte ich mich noch an den 10’000 Wörter umfassenden Bericht, den ich zusammen mit dem Bilderbuch Ende Oktober abgegeben habe.

Ich bin sehr froh diese Idee durchgeführt zu haben und bin zufrieden mit dem fertigen Buch. Nun suche ich nach einem Verlag oder Sponsor für das Drucken einer grösseren Auflage. Dies ist somit auch ein Projekt, welches mich weiterhin beschäftigen wird.

 

"Kai Kompromiss"

Beim Dreh von “Kai Kompromiss”

Hannah:

Durch dieses Jahr, das seine Tiefpunkte mit sich brachte, trugen mich die paar Filmprojekte, die ich dennoch verwirklichen konnte. Dafür bin ich unendlich dankbar. Im Februar habe ich ein altes Drehbuch entstaubt und umgeschrieben, und nach fast fünf Monaten Vorbereitungen fanden die Drehtage für den Kurzfilm im Juni statt. Er handelt von zwei jungen Frauen in einem Schweizer Bergdorf in 1976, die mit einem Schicksalsschlag konfrontiert werden. Sie müssen lernen, dass Kompromisse im Leben manchmal unvermeindlich sind – und wann sie diese ignorieren sollten. 

Mit einer Crew von zehn Leuten und sechs Schauspielern filmten wir in Brigels und Chur im Kanton Graubünden. Es gibt kaum eine schönere Umgebung, die man sich für solch einen Film vorstellen kann. Der Dreh dauerte vier Tage und ich lernte während dieser Zeit mehr, als in den letzten vier Monaten. Am ersten Tag arbeiteten wir 17 Stunden lang – das merkten wir in dem Moment aber gar nicht. Wir filmten sieben Hühner, zwei Katzen und hatten immer ein paar Kühe als Zuschauer. 

Im Oktober begann ich ein Praktikum bei einer Filmproduktionsfirma, deren Filme ich schon seit letztem Jahr immer mitverfolge. Ich konnte mein Glück kaum fassen, dass ich trotz Corona eine Chance auf einen neuen Job bekam. Shining Film AG konzentriert sich auf Werbefilme für Grossfirmen wie Swisscom, Sunrise, Coop, aber sie filmen auch ab und zu Dokumentarfilme und entwickeln sich ebenfalls in Richtung TV-Serien. Bis jetzt konnte ich bei zwei Werbefilmen für Bergbahnen in Davos und Zermatt als Produktionsassistentin dabei sein und den Produzenten, Regisseuren und Schauspielern mit allerlei zur Seite stehen. Gerade bin ich auf dem Weg zu einem kurzfristigen Dreh für eine SRF Lockdown Serie, für die wir Musikschaffende in ihren leeren Konzerthallen filmen und interviewen. 

Es war ein Jahr der Dankbarkeit für uns. Wir wurden gezwungen, einen Moment still zu stehen und zu realisieren, mit wie vielen Segen wir umgeben sind. Nun sind wir bereit für das nächste Jahr – komme was wolle.

 

Michèle:

michele_kaennel

Geschafft. Bisher sind Hannah, Marie und ich vom Corona verschont geblieben – Gott sei Dank. Ebenfalls dankbar sind wir, dass wir im ersten Lockdown unter privilegierten Bedienungen leben durften. Wir hoffen, dass es euch allen ebenfalls so gut wie möglich ging.

Im April ist nach kurzer Krankheit – ohne Bezug zu Corona – mein Schwiegervater mit gerade 90 gestorben. Das Spitalpersonal hat ausnahmsweise meine Schwiegermutter erlaubt, bei ihm zu sein. Für sie und für uns war dies ein grosser Trost. Seitdem konnten zum Glück trotz Einschränkungen meine Schwägerin und ihr Mann sie regelmässig besuchen und unterstützen.

Anfang Januar ist der Jahrringforscher der WSL Fritz Schweingruber ebenfalls gestorben. Er hatte mich 1993 für drei Monate an der WSL angestellt, woraus inzwischen 27 Jahre geworden sind und war für mich eine Vaterfigur geworden.

A propos WSL: seit März arbeite ich wieder in meiner alten „Forschungsfamilie“ an der WSL, in der Matthias und ich uns kennengelernt hatten. Ich bin glücklich!

Mein Jahr hat mit einem umfangreichen Projekt angefangen – dem Lektorat des Landesforstinventar-Berichtes auf Französisch – und endet mit einem grossen Übersetzungsauftrag – einem Wanderführer zu Forschungsprojekten im Wallis.

Zum ersten Mal seit drei Jahrzehnten habe ich um die Jahreswende mit vier Freunden eine Woche Ferien ohne Kinder genossen, und zwar am Ende der Welt, in Ligurien: Wandern, Lesen, Kochen und Träumen!

Im Juli haben Marie und ich uns in der Ardèche und der Provence, am Fuss des Mont-Ventoux zwei ruhige Wochen zwischen Macchia und Rebbergen gegönnt.

Aus diesem Jahr habe ich einmal mehr gelernt, nicht zu planen… Für 2021 habe ich keine grosse Erwartungen, nur die Hoffnung für uns alle, dass es der Welt bald besser geht.

Ich wünsche euch trotz allem Frohe Weihnachten, Gesundheit, Gelassenheit  und ein gesegnetes Neues Jahr. Habt Sorg!

Hier noch ein paar Links:

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