Dezember 2019

Hier in der Schweiz lässt sich die Familie Dobbertin zu Weihnachten nieder, und ich (Marie) werde unseren Brief damit beginnen, euch zu erzählen, wo ich dieses Jahr war …

Die Kantonsschule, die ich hier in der Schweiz besuche, ermutigt uns Schüler zu einem Austauschjahr. Genau wie Hannah drei Jahre zuvor verbrachte ich mein elftes Schuljahr weit von Zuhause entfernt. Ich habe in West Vancouver, Kanada, gelebt und den schönen Blick aufs Meer, die aufregende Großstadtatmosphäre und das wunderschöne Küstengebirge genossen.

Ich besuchte die West Vancouver Secondary School zusammen mit etwa 200 anderen Austauschschülern, also habe ich Menschen aus der ganzen Welt soaabfb46b-b7f1-4057-8fa8-4447501c95bfwie viele freundliche Kanadier kennen gelernt. John und Jill, das britische Paar, mit dem ich zusammenlebte, sind alte Freunde meiner Eltern. Bei ihnen und ihren beiden Hunden fühlte ich mich wie zu Hause.

Weil mein Schulalltag in Kanada viel weniger stressig war als in der Schweiz, hatte ich viel Zeit, um im Schulorchester, der jährlichen Theateraufführung sowie im Frauen-Rugbyteam meiner Schule mitzuspielen. Rugby zu erlernen und Teil eines Teams von so vielen starken jungen Frauen zu werden, war wahrscheinlich der Höhepunkt meines Jahres. Leider wurde die Saison für mich etwas verkürzt, als ich mir bei einem unserer Turniere in April das Bein brach. Dennoch habe ich das Beste aus meiner Zeit in Kanada gemacht, unabhängig von den Krücken.

Sich von allen Menschen, die ich in diesem Jahr getroffen habe, zu verabschieden, war extrem schwierig, besonders wenn es darum ging, b952f805-a66f-41f7-a924-d4bd10038565meine unglaubliche Gastfamilie zu verlassen. Glücklicherweise werde ich sie im Januar für zwei Wochen wieder besuchen.

Ich bin jetzt in der Kantonsschule in meinem zweitletzten Schuljahr, spiele immer noch Geige und habe angefangen, E-Gitarrenunterricht zu nehmen. Ansonsten nimmt die Schule den Grossteil meiner Zeit in Anspruch, aber es ist eine gute Vorbereitung auf die ETH Zürich, an der ich nach meinem Abschluss studieren möchte.

 

(Hannah)

Carpe diem – nutzt den Tag, Jungs“, sagt Professor Keating zu seinen Schülern in „Der Club der toten Dichter“, einem meiner Lieblingsfilme. Und genau das habe ich im vergangenen Jahr getan.

Mein Traum, an eine ausgezeichnete Filmschule in München zu gehen, wurde nach der zweiten Runde der Aufnahmeprüfungen verlegt, als die Jury mir empfahl, mich erneut zu bewerben, wenn ich mehr „Lebens- und Filmerfahrung“ gesammelt hätte. Also habe ich dieses Jahr Erfahrung gesammelt.

Filmflyer-Trauerreden-A2Ich beendete „Trauerreden“, meinen zweiten 30-minütigen Kurzfilm über eine junge trauernde Frau. Zur Zeit arbeite ich meinen Weg durch verschiedene Jobs, von Fahrerin an einem Musikvideo-Dreh-Set mit dem besten Schweizer Kameramann bis hin zur Regisseurin meines ersten Werbespots für das Unternehmen in Luzern, bei welcher ich jetzt angestellt bin.

Auf jedem Set lerne ich neue Menschen kennen, und es entstehen neue Möglichkeiten. Meine Wochen sind vollgepackt mit aufregenden Aufnahmen in leerstehenden Häusern, an mondhellen Seeufern und auf Berggipfeln.

Was das Leben neben dem Filmemachen betrifft, so denke ich, dass das Reisen durch Kanada und Alaska und das Ausweichen von ein paar Bären definitiv auch als «Nutzung des Tages» gilt.

Im September mieteten zehn meiner Freunde und ich für zwei Wochen ein Haus auf der spanischen Insel Fuerteventura und erlebten ein paar Kletter-, Schnorchel- und Wasserski-Abenteuer.

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Filming on the Jungfraujoch

Vielleicht könnt ihr es zwischen den Zeilen herauslesen: Carpe diem hat für mich sehr gut funktioniert. Und wenn ihr nach Inspiration für euer 2020 sucht, könnt ihr gerne meine Website besuchen und euch den Neujahrsfilm ansehen, den ich gerade fertig gemacht habe.

(Michèle)

2019 hat mir viele Gründe geboten, dankbar zu sein. Erstens war es ein weiteres Jahr ohne grössere gesundheitliche Probleme in unserem Haushalt und in unserem engen Verwandtenkreis. Maries Bein heilte gut und rechtzeitig für unseren Sommerurlaub.

Im Mai fuhren Julia – meine Freundin aus Santa Fe – und ich auf den Spuren von Van Gogh, Cézanne und Picasso durch Südfrankreich. Mehr Kunstgeschichte und weniger Vogelbeobachtung: ein ziemlicher Wechsel von durchschnittlichen Dobbertin-Reisen!

Meine Reise nach Vancouver im Juni brachte drei lang erwartete Highlights: Marie und ich waren nach 11 Monaten wieder vereint, ich durfte Jill und John wiedersehen und zwei Wochen vollgepackt mit guten Gesprächen und Lachen bei ihnen zu Hause verbringen, und schliesslich, nachdem Hannah zu uns kam, erkundeten die drei Dobbertins einen Monat lang Vancouver Island, Yukon und Alaska.

Denali National Park: South Peak

Denali National Park: South Peak

Seit ich 1991 in Alaska den historischen Chilkoot Trail des Goldrausches wanderte, hatte ich davon geträumt, in diesen Teil der Welt zurückzukehren. Die 4- bis 5-tägige Wanderung wäre für die Mädchen und mich zu anstrengend gewesen, aber wir bereuen nichts, denn wir haben auf unserem Weg zwischen Whitehorse und Anchorage sehr viel erlebt.

Trotz all meiner Lektüren, hatte ich nicht erwartet, von Yukon so begeistert zu sein. Der Pioniergeist zeigt sich in kleinen Gemeinden wie Haines Junction, Dawson City und sogar Whitehorse mit seinen nur 25.000 Einwohnern – das sind zwei Drittel der ganzen Bevölkerung des Yukon! Genau wie in Santa Fe im Jahr 2012 fühlte es sich wie zu Hause an. In einem anderen Leben würde ich dort in den Ruhestand gehen.

Im beruflichen Bereich ergab sich in letzter Zeit eine unerwartete Gelegenheit: Ab 2020 werde ich Umsetzungsaktivitäten für das von Matthias‘ Nachfolger gestartete Forschungsprogramm entwickeln. Ich freue mich darauf, wieder mit meiner alten „Familie“ an unserem Institut zusammenzuarbeiten.

Wie ihr sehen könnt, halten wir drei uns schön beschäftigt. Einen Abend zusammen zu verbringen, ist zu einem seltenen Genuss geworden, den wir als solchen immer schätzen.

Wir hoffen, dass dieser Brief euch bei guter Gesundheit und Geist findet. Wir wünschen euch frohe Weihnachten, ein gesegnetes neues Jahr und würden uns freuen, von euch zu hören.

Hier noch ein paar Links:

 

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