Wie wir unseren Flow neu finden

Marie:

Anfang 2025 schrieb ich zum ersten Mal an meiner neuen Universität im Tessin eine Masterprüfung. Anders als in meinem Bachelor an der ETH gibt es hier nur eine grosse Prüfung über den gesamten Semesterstoff, dies verlief jedoch auch gut.

Anschliessend verbrachte ich mit Hannah und ihrer Freundin Lara ein paar Tage in Prag. Wir assen gut, erkundeten die Altstadt und erholten uns von der strengen Januarphase. Direkt danach fuhr ich mit meinem Freund Luca nach Norddeutschland, um dort mit meiner Oma und der Familie ein paar windige, aber sehr amüsante Tage an der Nordsee zu geniessen.

Gestärkt startete ich ins Frühlingssemester, in dem mich das Gynäkologie-Modul erwartete – ein Highlight für mich, da ich schon lange Frauenärztin werden möchte. Im Spital durfte ich nicht nur bei Schwangerschaftsuntersuchungen und Kontrollterminen dabei sein, sondern auch bei mehreren Geburten, darunter zwei Kaiserschnitten. Bei einem Kaiserschnitt durfte ich sogar assistieren! Dies konnte ich auch bei weiteren verschiedenen Operationen, im Gynäkologieblock und in anderen Modulen. Dieses aufregende Semester hat meine Begeisterung für mein Studium und die Zukunft als Ärztin weiter gestärkt.

Über Ostern war ich erneut unterwegs: zuerst ein paar Tage in Venedig mit Luca, danach mit meiner Mitbewohnerin Anna in Barcelona für einen Girls Trip.

Im Sommer meisterten wir eine weitere Prüfungsphase und brachen dann zu meiner spannendsten Reise des Jahres auf. Luca und ich mieteten in Hamburg einen Campervan und reisten fast drei Wochen über Dänemark durch Südschweden und Norwegen. Die wilde Natur hat uns völlig überwältigt; wir wollten kaum zurück. Auf dem Heimweg besuchten wir nochmals in Deutschland meine Familie, diesmal in Hannover.

Im Herbst folgten wieder Vorlesungen und Kliniktage, inzwischen mit deutlich mehr Routine – und auch sprachlich fühlen wir uns im Italienischen richtig wohl.

Mit unseren Familienferien im Wallis im Oktober zu Moms Geburtstag verging das Semester im Nu, und nach den Festtagen beginnt bereits wieder die Vorbereitung auf die Prüfung im Januar.

Ich bin sehr zufrieden, denn dieses Jahr habe ich nicht nur mein Studium genossen, sondern auch die Zeit ausserhalb gut genutzt, um zu reisen und mit meinen Liebsten zusammen zu sein. Im nächsten Jahr werde ich mit meiner sechsmonatigen Unterassistenzzeit ein deutlich volleres Programm haben, freue mich aber auch sehr auf die neuen Erfahrungen.

Hannah:

Im vierten Jahr als Selbstständige hat sich bei mir endlich ein Arbeitsrhythmus eingependelt. Besonders regelmässig ist er nicht, aber er funktioniert. Mein Jahr begann mit meinem bisher grössten Auftrag, diesmal für die Schweizerischen Bundesbahnen SBB. Nach mehreren Wochen Vorbereitung, dem zweitägigen Dreh und der Postproduktion folgten weitere kleinere Aufträge.

Im Sommer setzte für viele Filmschaffende eine unerwartete Pause ein. Die Veränderungen, die mit den heutigen technischen Möglichkeiten und mit KI einhergehen, sind auch bei uns in der Werbebranche spürbar und machen die Arbeitssuche nicht leichter. Ich nutzte jedoch die Gelegenheit, um zwei Musikvideos umzusetzen: eines für die Schweizer Band Hecht, eines für die beiden jungen Musikerinnen Gigi und Cachita. Besonders letzteres war für mich ein Herzensprojekt, und das wochenlange Planen, Basteln, Bauen und Streichen zahlte sich aus: Das Musikvideo „Schön“ und das dazugehörige Behind-the-Scenes-Video waren ein Hit und gewannen einen Silber-Edi – eine offizielle Auszeichnung für Schweizer Auftragsfilme.

Um die Sommerpause auch sonst bestmöglich zu nutzen, besuchte ich einen Freund in Stockholm und reiste anschliessend weiter nach Norddeutschland zu meiner Grossmutter. Nach ein paar gemütlichen Tagen traf ich mich dann in Berlin mit meiner besten Freundin und erkundete mit ihr die Stadt.

Ende Sommer gewann ich einen Regie-Pitch für einen weiteren grossen Werbeauftrag, diesmal für Betty Bossi, Herstellerin von Kochutensilien und -büchern. Die Produktion zog sich über mehrere Monate und machte mir grosse Freude: Zum ersten Mal konnte ich mit Food-Stylisten zusammenarbeiten und so zur ohnehin schon bunten Welt dieses Werbefilms beitragen.

Im August verbrachte ich zwei Wochen mit Freunden in Spanien und genoss die Wärme und das gute Essen – mit kleinen Arbeitspausen dazwischen.

Im November fand eines der Highlights meiner bisherigen Karriere statt. Mein Kurzfilm Rabe wurde an den Cannes Indie Shorts Awards gezeigt, und ich durfte fünf Tage in der kleinen Küstenstadt verbringen. Dort lernte ich zahlreiche Filmschaffende aus der ganzen Welt kennen und verliess den Event mit viel Energie und Inspiration. Kurz darauf fand die Schweizer Premiere von Rabe und von meinem anderen Kurzfilm Tin Man statt. Mit der Crew und den zahlreichen Schauspielerinnen und Schauspielern anstossen zu können, war ein wunderschöner Abschluss dieser beiden sehr persönlichen Projekte.

Im Dezember fand ein weiterer Werbedreh statt, doch dazwischen nutzte ich jede freie Minute, um mich mit Freunden zu treffen, die Weihnachtsmärkte zu geniessen und Guetzli zu backen.

Ich freue mich auf neue Projekte, die anstehen – grösser, als was ich mich bisher getraut habe. Doch nach diesem Jahr fühle ich mich gestärkt und aufgeregt für das, was kommt.

Michèle:

Nur selten wissen wir, wenn ein Moment der letzte sein wird. Der plötzliche Tod meiner Mutter am 24. Dezember 2024 hat mir diese Wahrheit wieder vor Augen geführt, als ich an unser Telefongespräch einige Tage zuvor dachte. Dieser Weggang ohne die Möglichkeit, sich zu verabschieden, erinnerte mich unweigerlich an Matthias‘ ebenso plötzlichen Tod im Oktober 2012.

In positiverer Hinsicht markierte das Jahr 2025 auch einen weiteren Abschluss: mein letztes Jahr an dem Institut, das mich 1994 einges-tellt hatte und das ich im Februar offiziell verlassen werde. Im Laufe des Jahres kuratierte ich eine Ausstellung über Projekte der WSL, die sich mit der Nutzung der Genetik zur Erforschung und zum Schutz der Biodiversität in der Schweiz befassen. Ich genoss dies umso mehr, weil ich wusste, dass es meine letzte grosse Aufgabe an der WSL sein würde. In den letzten Monaten habe ich jede Gelegenheit genutzt, um mit denen, die mir über die Jahrzehnte hinweg wichtig waren, einen Kaffee zu trinken – eine Art, mich zu verabschieden, ohne es tatsächlich auszusprechen. Sie sind es, die mir am meisten fehlen werden, trotz zahlreicher Aktivitäten, die ich für meinen Ruhestand vorhabe.

Bald Geschichte: mein Büro an der WSL

Während sich dieses Kapitel schliesst, öffnen sich andere. Im Januar habe ich mir einen lang gehegten Traum erfüllt und eine Vogelbeo-bachtungsreise nach Senegal unternommen, ein für mich völlig neues Terrain. So beeindruckend die Vogelwelt auch war, berührt haben mich vor allem die Begegnungen, die Blicke und die Lächeln der Menschen dort.

Im Oktober verbrachten Hannah, Marie, Luca und ich eine fantastische, sonnige Woche im Wallis mit täglichen Wanderungen, gemeinsamem Kochen, Restaurantbesuchen und Brettspielen. Wenn unsere Terminkalender es zulassen, könnte dies durchaus zu einer neuen Familientradition werden. Eine weitere Premiere für mich war eine gemeinsame Woche mit meiner bald 95jährigen Schwiegermutter in Norddeutschland und ein Ausflug mit ihr an die Nordsee, wo wir viel Zeit für gute Gespräche und jede Menge Lacher hatten.

Wie schon öfter habe ich das Catering für zwei Musikvideo-Drehs von Hannah übernommen, was mir immer viel Freude bereitet, da ich  mit klugen und netten jungen Menschen in Kontakt komme. Das Tüpfelchen auf dem i war, Hannahs Kurzfilm Rabe bei einem Indie-Festival in Cannes im November zu applaudieren. In derselben Woche verbrachten Marie und ich zwei Tage in Mendrisio, sie im Rettungswagenpraktikum, ich auf einer schönen Herbstwanderung.

Zwei Tage nach meiner Abschiedsfeier bei der WSL am 14. Januar werde ich zu einer neuen Vogelbeobachtungsreise aufbrechen, diesmal nach Goa an der Westküste Indiens.

Hannah, Marie und ich wünschen euch eine friedliche Adventszeit, frohe Feiertage und ein glückliches neues Jahr 2026.

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